Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Alles für ReNos

Langfinger im Büro: Vom geklauten Kuli bis zum Mundraub

Kaffee, Klopapier und Milch aus dem Büro mitnehmen und fürs Homeoffice bunkern? Tatsächlich war das Ende letzten Jahres ein Riesenthema in einem großen Schweizer Medienhaus. Dort nahmen die Angestellten aus dem Büro so viele Artikel mit nach Hause, dass sich die Geschäftsführung gezwungen sah, die M

Kaffee, Klopapier und Milch aus dem Büro mitnehmen und fürs Homeoffice bunkern? Tatsächlich war das Ende letzten Jahres ein Riesenthema in einem großen Schweizer Medienhaus. Dort nahmen die Angestellten aus dem Büro so viele Artikel mit nach Hause, dass sich die Geschäftsführung gezwungen sah, die Mitarbeitenden in einer internen Rundmail daran zu erinnern, dass Büroartikel auch wirklich fürs Büro gedacht sind. „Leider habe man feststellen müssen, dass einige Mitarbeitende Annehmlichkeiten etwas zu wörtlich nehmen. Es sei nicht die Idee, Wasserflaschen für zu Hause ‚literweise‘ mit Sprudelwasser aufzufüllen“, wurde in einem Pressebericht aus der E-Mail der CEO zitiert.

Dass solche Vorfälle kein Einzelfall sind, zeigt auch eine repräsentative Befragung eines Büroartikelversenders aus Deutschland: Hierzulande gab jeder Vierte an, schon einmal etwas am Arbeitsplatz mitgenommen zu haben. Ganz oben in der Liste der beliebtesten Objekte stehen demnach Kugelschreiber und andere Stifte. In der Kanzlei stellt sich dabei oft die Frage: Wie gehen wir im Team damit um, wenn die Grenzen zwischen „erlaubter Mitnahme“ und „Diebstahl“ verschwimmen?

 

„Das ist doch nur ein Kuli …“ – die schwierige Grauzone

Sicherlich gibt es auch im Kanzleialltag Situationen, die Fragen aufwerfen: Da landet nach einem stressigen Tag am Empfang ein Kugelschreiber versehentlich in einer Tasche. Oder es werden „mal eben schnell“ private Dinge ausgedruckt – vom Konzertticket bis zum aufwendigen Rezept. Vielleicht beobachtet man sogar, wie eine Kollegin ohne großes Zögern Einladungen für eine private Feier im großen Stil am Kanzleikopierer vervielfältigt.

Ähnlich wie das Schweizer Verlagshaus bieten auch viele Kanzleien ihrem Team „Bürovorteile“ wie Kaffee, Wasser oder Obst an. Problematisch wird es jedoch dort, wo eine unklare Erwartungshaltung auf die Dynamik im Team trifft. Wenn sich jemand beispielsweise Vorräte für das Homeoffice einpackt, beginnt eine moralische und kollegiale Grauzone. Es geht dabei weniger um den materiellen Wert als um die Frage, wie fair das Verhalten gegenüber den anderen Teammitgliedern ist. Auch extremere Fälle, etwa das Einbehalten von Kanzlei-Equipment nach einem Jobwechsel, belasten das professionelle Miteinander massiv.

 

Warum Vertrauen das wichtigste Gut ist  

Im ReNo-Alltag arbeitest Du mit verschiedensten Daten: Du hast Zugriff auf Akten, oft auch auf Konten und ähnlich sensible Daten. Dein Chef muss sich darauf verlassen können, dass Du verantwortungsvoll mit all dem umgehst. Das Thema „Mitgehenlassen“ ist deshalb so sensibel, weil es direkt an der Basis der Zusammenarbeit rüttelt: dem Vertrauen. Rechtlich gesehen ist die Lage zwar oft eindeutig – was einem nicht gehört, darf man nicht ohne Erlaubnis mitnehmen. Doch im Praxisalltag wiegt der drohende Vertrauensverlust oft schwerer als die rechtliche Konsequenz bei Geringfügigkeit.

 

Klare Kommunikation statt defensiver Haltung

Um Missverständnisse und eine unangenehme Atmosphäre zu vermeiden, helfen klare, gemeinsam getragene Regeln im Team. Offene Absprachen über die Nutzung von Kaffeekassen oder Büromaterial schaffen Transparenz und verhindern, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt.

Falls es doch zu einem Vorfall kommt, den Du beobachtest oder der Dich betrifft, ist Sachlichkeit das oberste Gebot. Statt vorschneller Anschuldigungen hilft es, den Vorfall objektiv zu betrachten. Oft stecken Unsicherheit oder schlichte Gedankenlosigkeit dahinter. Am Ende geht es in einer Kanzlei, in der Verlässlichkeit und Integrität die Grundpfeiler sind, vor allem um eines: den respektvollen Umgang miteinander und mit dem Vertrauen, das jedem Einzelnen täglich entgegengebracht wird. Ein kurzes Überlegen oder Nachfragen – „Darf ich das eigentlich?“ – kann dabei oft schon viele Probleme im Keim ersticken.