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Alles für ReNos

Mandanten: Was sie sagen – was sie wirklich meinen

Als erfahrene ReNo hatte man schon mit vielen unterschiedlichen Mandanten zu tun. Aber eines haben fast alle gemeinsam: Zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie eigentlich meinen, liegen oft völlig verschiedene Welten, so wie Mittelerde und Mordor oder Himmel und Hölle. Aber mit der Zeit kann m

Als erfahrene ReNo hatte man schon mit vielen unterschiedlichen Mandanten zu tun. Aber eines haben fast alle gemeinsam: Zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie eigentlich meinen, liegen oft völlig verschiedene Welten, so wie Mittelerde und Mordor oder Himmel und Hölle.

Aber mit der Zeit kann man sie ganz gut lesen und übersetzen. Hier kommen meine Favoriten:

 

„Ich habe alle Unterlagen vollständig dabei.“

Übersetzung:

Herr Sommer hat einen zerknitterten Aldi-Beutel voller loser Zettel dabei, darunter drei Kassenzettel aus dem Jahr 2017, einen Einkaufszettel, aber natürlich nicht das eine Schreiben, das wir wirklich brauchen.

 

 

„Ich habe mich im Internet schon mal informiert.“

Übersetzung:

Vor euch steht der Recherche-König himself.

Rollt den roten Teppich aus, denn der Herr hat bereits über zwölf Stunden in dubiosen Internetforen verbracht, zwei Youtube-Videos gesehen und ist nun fest davon überzeugt, mehr Ahnung vom Fall zu haben als Rechtsprechung, Gesetzgeber und Anwalt zusammen.

 

„Ich melde mich morgen ganz sicher.“

Übersetzung:

Wir hören frühestens in drei Wochen wieder etwas von solchen Mandanten. Wenn überhaupt. Manche wechseln auch nahtlos vom „Ich melde mich morgen“-Modus in den „Ich bin verschollen“-Modus.

 

 

„Ich wollte nur mal kurz nachfragen …“

Übersetzung:

Deine Mittagspause kannst du vergessen, ReNo Maier. Ich benötige zur Erörterung des Sachstandes mindestens eine halbe Stunde und wo wir schon dabei sind: Der Nachbar hat einen neuen Wohnwagen, der Dackel frisst gerade schlecht und im Fußball läuft es auch nicht.

 

 

„Das müsste irgendwo bei den Unterlagen dabei sein.“

Übersetzung:

Viel Erfolg bei der Suche.

Herr Gärtner, alias der Chaot, hat uns 400 Seiten unsortierte Unterlagen geschickt und kann sich dunkel daran erinnern, dass das entscheidende Dokument „irgendwo mittendrin“ sein müsste.

 

 

„Ich bespreche das lieber direkt mit dem Anwalt.“

Übersetzung:

Der Mandant hält sämtliche Kanzleimitarbeiter offenbar für dekorative Zimmerpflanzen.

Selbst simple Fragen wie: „Geht es um den Termin nächste Woche?“ werden beantwortet mit: „Das bespreche ich nur mit Herrn Rechtsanwalt persönlich.“ Als ob Herr Müller das Bernsteinzimmer gefunden hätte und den Standort nicht mit jedem teilen will.

 

 

„Das eilt wirklich sehr!“

Übersetzung:

Das Schreiben liegt bereits seit sechs Wochen ungeöffnet zwischen diversen Klatschblättern auf dem Küchentisch von Frau Schröder und die Frist endet morgen um 12 Uhr. Gefunden hat sie es nur durch Zufall wieder, weil sie auf der Suche nach dem neuen Diättrend in der letzten Ausgabe der „Bild der Frau“ war.

 

„Sie wissen doch, ich bin eigentlich ganz unkompliziert.“

Übersetzung:

Nein. Ist er nicht.

Und mehr möchte ich an dieser Stelle dazu auch nicht sagen.

 

 

„Sie brauchen nur ganz kurz drüberschauen.“

Übersetzung:

Es handelt sich um eine E-Mail mit 17 Anhängen, über 200 Seiten Schriftverkehr und einem Video von so brillanter Qualität, dass man nicht weiß, ob man den Nachbarn von Herrn Schneider oder das Ungeheuer von Loch Ness darauf sieht.

 

 

„Ich hab da noch eine ganz kurze Frage.“

Übersetzung:

Adieu Feierabend. Es folgen mindestens sieben neue Baustellen, die mit dem ursprünglichen Mandat nur entfernt verwandt sind.

 

„Ich bin da völlig entspannt, Sie machen das schon.“

Übersetzung:

Ab morgen rufe ich euch täglich an und frage nach dem Sachstand, egal ob die Frist schon abgelaufen ist oder nicht. Wir hören uns.

 

„Ach, das habe ich vergessen zu erwähnen …“

Übersetzung:

Jetzt wird es kompliziert, teuer oder unangenehm. Oder alles zusammen.

Besonders beliebt ist diese Aussage ungefähr fünf Minuten vor Gerichtsterminen oder nachdem Schriftsätze bereits rausgegangen sind.

 

 

„Ich vertraue Ihnen da vollkommen.“

Übersetzung:

Sobald etwas nicht exakt nach meinen Wünschen läuft, werde ich a) sehr unangenehm und b) erkläre ich dir lang und breit, wie so ein Mandat zu bearbeiten ist, das kann man nämlich im Internet nachlesen.

 

Aber genau diese kleinen Eigenheiten machen unseren Berufsalltag am Ende eben doch irgendwie unterhaltsam.

Eigentlich bräuchte es für Berufsanfänger neben Fachliteratur, RVG-Kommentaren und Fristenkalendern dringend noch etwas anderes:

Eine Übersetzungs-App für Mandantensprache.