
Erinnerst Du Dich noch an meinen Beitrag zum Thema Rente aus dem Jahr 2024? Damals haben wir uns angeschaut, ob die gesetzliche Rente eigentlich noch sicher ist und was Du als ReNo konkret tun kannst, um fürs Alter vorzusorgen. Das Fazit war schon damals klar: Nur auf den Staat zu setzen, wird nicht reichen, um Deinen Lebensstandard im Alter zu halten.
Im Mai 2026 hat der Bundesrat nun eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen, die ab dem 1. Januar 2027 gilt. Dadurch ändern sich die Spielregeln des Rentensystems in Deutschland massiv. Damit Du hier nicht den Überblick verlierst, habe ich Dir hier einen aktualisierten Check-up zusammengestellt.
Wichtig vorab: Ich bin kein Finanzberater. Dieser Text dient der Information und Einordnung, ersetzt aber keine individuelle Beratung, die gerade bei komplexen Situationen wie Erbschaften oder gemeinsamem Einkommen mit Partnern sinnvoll sein kann.
Der ReNo-Altersorsorge-Check: 4 Fragen, die Du Dir jetzt stellen solltest
Theoretisch können ReNos ja praktisch alles – also ist es wohl keine Frage, dass Du auch das Thema Rente selbst in den Griff bekommst, oder? Hier sind die 4 wichtigsten Fragen für Deine Zukunftsplanung:
Frage 1: Wie groß ist Deine persönliche „Rentenlücke“?
Bevor Du loslegst, musst Du wissen, wo Du stehst. Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Deinen Ausgaben im Ruhestand und dem, was Du von der gesetzlichen Rente tatsächlich bekommst. Schnapp Dir die letzte Renteninformation, die Du von der Rentenversicherung (DRV) einmal im Jahr bekommst. Dort steht schwarz auf weiß, was Dich erwartet. Aber Achtung: Das ist ein Brutto-Wert, von dem noch Steuern und Sozialbeiträge abgehen!
Ein konkretes Beispiel: Wenn du als Rechtsanwaltsfachangestellte beispielsweise auf ein durchschnittliches Netto-Einkommen von 2.000 Euro kommst, stünde dir nach 45 Arbeitsjahren rechnerisch eine Rente von etwa 960 Euro monatlich zur Verfügung. Überlege Dir nun, ob dieser Betrag ausreichen würde, um Miete, Lebenshaltung und Freizeit zu finanzieren.
Frage 2: Was bedeutet das neue Altersvorsorgedepot für Dich?
Ab 2027 wird die bisherige Riester-Rente – eine Form der privaten Altersvorsorge mit speziellen Verträgen, die vom Staat bezuschusst werden – durch das neue Altersvorsorgedepot abgelöst. Das heißt, Du kannst künftig staatliche Förderungen auch für renditestärkere Anlagen wie Aktien-ETFs nutzen, ohne dass verpflichtende Beitragsgarantien die möglichen Gewinne schmälern. Folgendes ist neu:
- Die Förderung: Für jeden Euro, den Du sparst, gibt es 50 Cent dazu (bis 360 Euro Einzahlung pro Jahr), danach 25 Cent (bis 1.800 Euro).
- Extra für Einsteiger: Wenn Du unter 25 bist, gibt es einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus obendrauf.
- Anbieterauswahl: Das neue Altersvorsorgedepot soll von Banken und Versicherungen über Depotanbieter bis hin zu modernen Neobrokern angeboten werden. Als zusätzliche Option soll es obendrein ein staatliches, öffentlich organisiertes Depot geben.
Wenn Du Dich tiefer in die gesetzlichen Details einlesen möchtest, findest Du hier umfangreiche Fragen und Antworten zur Reform.
Frage 3: Nutzt Du Deinen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge?
Du hast als ReNo wie alle Angestellten einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge (bAV) durch Entgeltumwandlung. Dabei geht ein Teil deines Gehalts direkt vom Bruttolohn ab, wodurch du Steuern und Sozialabgaben sparst. Dein Arbeitgeber muss einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent leisten. Es kann sinnvoll sein, in Gehaltsverhandlungen zu prüfen, ob die Kanzlei bereit ist, die komplette Ersparnis bei den Sozialabgaben (ca. 20 Prozent) in deinen Vertrag einzuzahlen.
Frage 4: Stichwort „Gender Pension Gap“ – Warum ist das gerade für ReNos ein Thema?
Der ReNo-Beruf ist stark weiblich geprägt, weshalb Du Dich intensiv mit der Rentenlücke zwischen den Geschlechtern auseinandersetzen solltest. Frauen erhalten in Deutschland im Schnitt zwischen 49 und 60 Prozent weniger Rente als Männer. Das liegt weniger an mangelnder Vorsorgebereitschaft, sondern an strukturellen Faktoren: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit. Erwerbsbiografien werden öfter für Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen unterbrochen. Das durchschnittliche Einkommen liegt oft unter dem von Männern (Gender Pay Gap). Diese Faktoren führen dazu, dass weniger Rentenpunkte gesammelt werden, was die Bedeutung einer eigenständigen, frühzeitigen Vorsorgeplanung unterstreicht.
Typische Überlegungen: Worauf solltest Du achten?
- Brauchst Du eine Beratung? Viele Informationen zur Altersvorsorge sind heute transparent aufbereitet und online frei zugänglich. Ob Du die Vorsorge komplett selbst in die Hand nimmst oder Dich professionell von einen Finanzberater oder Versicherungsvermittler unterstützen lässt, hängt von der persönlichen Situation ab – etwa wenn zusätzliche Faktoren wie Immobilien oder familiäre Absicherungen eine Rolle spielen. Auch eine Beratung durch die Verbraucherzentralen als erste Anlaufstelle kann hilfreich sein.
- Was bedeutet Geldanlage in ETFs? Viele Anleger setzen zur Altersvorsorge auf breit gestreute Aktien-ETFs (wie auf den MSCI World), um langfristig von der Entwicklung der Weltwirtschaft zu profitieren. Auch hier gibt es zahlreiche Ressourcen im Netz, die den Einstieg erleichtern. Ob diese Form der Anlage zur individuellen Risikobereitschaft und Lebenssituation passt, muss jedoch jede und jeder für sich selbst prüfen.
- Bestehende Verträge: Wenn Du bereits über einen Riester-Vertrag zur Altersvorsorge verfügst, läuft dieser auch 2027 ganz normal weiter. Ein Wechsel in das neue Depot-Modell soll jedoch möglich sein und kann individuell geprüft werden, sobald die neuen Produkte am Markt verfügbar sind.
Fazit
Die Reform ab 2027 bietet neue Möglichkeiten, das Thema Rente flexibler zu gestalten. Unabhängig davon, für welchen Weg du dich entscheidest: Das Wichtigste ist, sich überhaupt mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen. Zeit ist beim Vermögensaufbau ein wesentlicher Faktor – jeder Schritt gegen die Rentenlücke von morgen zählt.