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Alles für ReNos

Raus aus der Distanz-Falle: Psychologische Tipps für entspanntes hybrides Arbeiten

Kennst Du das auch? Du sitzt hochkonzentriert im Homeoffice, arbeitest einen Schriftsatz ab oder bereitest eine komplizierte Abrechnung vor – und plötzlich schleicht sich dieses ungute Gefühl ein: Was passiert gerade eigentlich in der Kanzlei? Haben die Kolleginnen in der Kaffeeküche gerade eine wic

Kennst Du das auch? Du sitzt hochkonzentriert im Homeoffice, arbeitest einen Schriftsatz ab oder bereitest eine komplizierte Abrechnung vor – und plötzlich schleicht sich dieses ungute Gefühl ein: Was passiert gerade eigentlich in der Kanzlei? Haben die Kolleginnen in der Kaffeeküche gerade eine wichtige Info vom Chef aufgeschnappt? Wurde vielleicht eine Frist besprochen, die Du noch nicht auf dem Schirm hast?

Als jemand, der viele Jahre als Angestellter in einem Unternehmen gearbeitet hat, weiß ich: Ein gut organisiertes Team ist das A und O. Doch die neue Welt des hybriden Arbeitens – also die Mischung aus Büro und Homeoffice – stellt uns noch mal vor ganz neue Herausforderungen. Nicht wenige Arbeitgeber holen ihre Beschäftigten gerade wieder zurück ins Büro und begründen dies damit, dass der direkte persönliche Austausch die Produktivität steigert und die Unternehmenskultur gefördert wird. In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Wissenschaft aktuell zum hybriden Arbeiten sagt und wie Du Deinen Arbeitsalltag mit diesen neuen Erkenntnissen entspannter gestaltest.

 

Das Phänomen „aFoMO“: Mehr als nur Neugier

In der Forschung gibt es tatsächlich einen Fachbegriff für dieses Gefühl, das ich oben beschrieben habe. Er lautet: „arbeitsbezogene Fear of Missing Out“ (aFoMO). Das beschreibt die Sorge, aufgrund der räumlichen Distanz wichtige Informationen (sogenannte „informationelle Exklusion“) oder den Anschluss an das Team („relationale Exklusion“) zu verpassen. Untersuchungen zeigen, dass dieses Gefühl besonders stark ist, wenn Du allein im Homeoffice bist, während der Großteil des Teams (oder vielleicht sogar 100 Prozent der Kolleginnen) vor Ort in der Kanzlei sitzt. Das Problem dabei: aFoMO ist kein bloßes „Gedankenspiel“. Es ist tatsächlich eine Art „Angstgefühl“, die nachweislich zu höherem Stress, negativen Gefühlen und einer sinkenden Arbeitszufriedenheit führen kann.

 

Der Kanzlei-Check: Wo hakt es bei uns?

In Kanzleien, in der Informationen oft zwischen Tür und Angel fließen oder in der Kaffeeküche ausgetauscht werden, ist das Risiko des Entstehens von aFoMO besonders hoch.

Denn die Zusammenarbeit und das Wohlbefinden leiden immer dann, wenn die räumliche Distanz im hybriden Modell nicht durch professionelle, digitale Kommunikationswege überbrückt wird.  Aber es gibt bei Hybridarbeit noch weitere typische Stolperfallen:

  • Macht vs. Vertrauen: „Return to Office“-Anweisungen von Chefs werden vielfach als Ausdruck hierarchischer Macht eingesetzt. Dabei basiert Homeoffice ja vor allem auf Vertrauen. Und dass die Produktivität im Homeoffice leidet, ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Gerechtigkeit & Neid: Wenn die eine ReNo ins Homeoffice darf, die andere aber wegen der Postbearbeitung oder des Empfangs immer vor Ort sein muss, entsteht schnell ein Gefühl der Ungerechtigkeit.
  • Zoom-Erschöpfung: Ständige Videocalls können regelrecht auslaugen, da dabei die nonverbalen Signale fehlen und man sich stattdessen permanent selbst beobachtet.

 

6 Tipps für die hybride Zusammenarbeit

Wie kannst Du Dir das ReNo-Leben im Homeoffice nun konkret erleichtern? Die Wissenschaft liefert hier spannende Ansätze, die Du direkt gemeinsam mit Deinen Kolleginnen ausprobieren kannst:

  1. Team-Agreements statt starrer Regeln: Anstatt dass der Chef alles von oben vorgibt, solltet Ihr bestimmte Dinge besser im Team klären: Welche Aufgaben brauchen Präsenz (z. B. Besprechungen, Post) und was geht remote (z. B. Buchhaltung, Schriftsätze)? Ein „Workshop-Tag“ zur Erstellung solcher Vereinbarungen kann Wunder wirken.
  2. Transparenz mindert aFoMO: Wenn klar kommuniziert wird, warum wer wann wo arbeitet, sinkt das Gefühl der Exklusion. Nutzt gemeinsame digitale Kalender oder Messenger, um auch die „Heimarbeiterinnen“ über Kanzlei-News auf dem Laufenden zu halten.
  3. Mut zum meetingfreien Tag: Ein Tag pro Woche ohne (Video-)Besprechungen hilft, sich auf komplexe Aufgaben zu fokussieren und die „Zoom-Fatigue“ zu reduzieren.
  4. Mit Experimentieren zum Erfolg: Wenn das in Eurer Kanzlei möglich ist (und der Chef mitspielt), solltet Ihr neue Arbeitsmodelle testweise einführen („trial and error“).  Reflektiert dabei regelmäßig im Team, was gut funktioniert und wo es hakt.
  5. Autonomie nutzen: Wer im Homeoffice arbeitet, erlebt oft mehr Autonomie und lässt Pausen seltener ausfallen – das schützt vor Erschöpfung. Nutze diese Freiheit bewusst für Deine Regeneration!
  6. Formelle Vereinbarungen: Achtet darauf, dass es klare betriebliche Regelungen und eine Arbeitszeiterfassung gibt. Das sorgt nachweislich für eine bessere Work-Life-Balance und weniger gesundheitliche Beschwerden.

 

Hybridarbeit gemeinsam gestalten

Hybrides Arbeiten in der Kanzlei ist kein Selbstläufer. Es braucht Aushandlungsprozesse. Wenn Ihr es aber schafft, die Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Autonomie unter einen Hut zu bringen, werden auf lange Sicht alle Teammitglieder von mehr Flexibilität und weniger Stress profitieren.

Vielleicht ist das nächste Teammeeting ja der perfekte Zeitpunkt, um mal über eine „Team-Vereinbarung“ zu sprechen? Denn theoretisch können ReNos ja praktisch alles – auch modernes Arbeiten!